Manuela Klöckner-Marseglia – 2026-04 Fabian ST1 Kunsthaus Bregenz

Klangaktion ST/1 im Rahmen der Ausstellung KOO JEONG A im Kunsthaus Bregenz

Samstag, 18. 04. 2026 18:00 Uhr

ALAN FABIAN : st/1 - für amplified piano und Live-Elektronik
MANUELA KLÖCKNER am Kimball-Helpinstill Flügel
ANDREAS KLÖCKNER, Klangregie



Treffend kombiniert

Ein Ereignisbericht. Von Timmo Strohm.

Ein Brennglas bündelt Licht, das Kunsthaus bündelt Kultur. Wenn man’s richtig macht, entsteht ein Brennpunkt, eine neue Qualität von Licht oder Kunst. Was das Kunsthaus Bregenz am achtzehnten April 2026 auf einen Punkt bündelte, war Kunst aus völlig unterschiedlichen Bereichen der Kulturwelt. Und es zündete.

Vor der angekündigten Klangaktion mache ich die Führung mit. Wir tauchen ein in die Welt der koreanischen Künstler*in, die oder der sich nicht festlegen lassen will. Wir sehen ihre Kunstobjekte. Endlos-Schleifen à la Möbius, Skate-Rampen, die ihren Zweck kaum noch zeigen. Magnete. Ein Film, der in der Endlos-Schleife loopt, mit Zoomen und Auszoomen spielt. Die Kunst Koo Jeong As leuchtet, schwebt, spielt mit sich selbst.

Ich empfehle, sich das anzuschauen.

Für die Performance vorbereitet, in der Gesellschaft von runden Möbius-Schleifen im ersten Stock des Kunsthauses erblicken wir einen kleinen Flügel: selbst eine Art Kunst-Objekt. Bogenhaare spannen sich heraus. An Kabel angeschlossen erweitert sich das Instrument in ein technisches Netzwerk und lässt geheime Zwecke ahnen. Neugierig geworden will man näher treten. Im Inneren Klötze, Klemmen, Schrauben.



Der Raum füllt sich mit Ausstellungsbesuchern, es müssen noch mehr Stühle gebracht werden. Die Bündelung interessiert. Kirsten Helfrich, die uns auch durch die Ausstellung führte begrüßt alle Anwesenden, ihre kurze Rede beschreibt das Projekt, bereitet uns vor, erklärt, ohne zuviel zu verraten. Der Komponist, Alan Fabian wird vorgestellt, er sitzt mitten in seinem Publikum. Im Hintergrund, unbewegt der Klangregisseur, Andreas Klöckner, der am Reglerpult sitzt wie ein NASA Techniker.



Als die Pianistin auftritt, wird es sofort totenstill. Was nun passiert, kann man nicht Klavierspiel nennen: Die Klaviatur wird im Stehen gespielt, das Piano-Objekt will gezupft, geschlagen, gespielt und gestrichen werden. Töne lösen sich aus dem Instrument, die noch kein Flügel der Welt je von sich gegeben hat.



Manuela Klöckner muss ihr Timing präzise mit dem Computerprogramm abstimmen, das das Tongeschehen aufgreift, übertragen von Magnet-Tonabnehmern und ich denke an die Magnete im Stockwerk über uns, die Kunst übertragen und verstärken. Die KunstMusik Alan Fabians leuchtet, schwebt. Ein Endlos-Kreisen in unzähligen Schleifenbewegungen mutiert und entfaltet sich über 30 Minuten aus sich selbst.

Ich empfehle, sich das anzuhören.

Obwohl die Ausstellungs-Werke und die Klang-Installation unabhängig von einander entstanden sind, vereint sie die Faszination des Loop. Paradoxie, Kombinatorik, Zweckentfremdung, das Wegwerfen von Kontext, ich weiß nicht, wie man es nennen will: dieses Erlebnis jedenfalls, das auch ein Ereignis ist, ermöglicht die Entstehung von neuem Sinn. Ich spüre ich den Durst der Kunst aufs Neue.

Dergleichen hat man noch nie gehört oder gesehen.

Die Akustik im Kunsthaus Bregenz, darin klar sich ausbreitend der Klang und der mitschwingende Geist der Ausstellung, all das in Wechselwirkung erzeugt enorme Resonanzen. Zwischen Ausstellung und Musik entsteht ein neuer Begriff von Akkord - der Zusammenklang ist höchst harmonisch, wie die Kunstwerke im Haus, anziehend, ästhetisch auf eine Weise, die ich nicht zuordnen kann. Was das Auge sieht und das Ohr hört, überlagert sich im Zusammenklang der künstlerischen Strukturen.



Getragen wird das Publikum bis zum Schluss auch von der Präsenz der Pianistin, die ihr Kunstobjekt-Piano so beherrscht, als wäre es ein gut trainiertes Lebewesen. Der Sound, der von den Lautsprechern zur Wand geschickt und von dieser zurückgeworfen wird, ist perfekt: wir sitzen in einem idealen Schallkegel, wie die Filmfigur, die wir zuvor gesehen hatten, in perfekter Abendsonne saß. Selten war ich so eingetaucht in einem Kunsterlebnis.

Rauschender Applaus zum Ende, und dann: keine und keiner will gehen.

Die Zuhörer umringen das seltsame Klavier, als ob es ein eben gelandetes UFO wäre, sie stellen den Techniker und den Komponisten zur Rede, und sie fragen und fragen. Die Pianistin antwortet aus dem Zentrum des künstlerischen Geschehens heraus und fasziniert alle mit ihren Erklärungen. Hätte man nicht irgendwann flehentlich darauf hingewiesen, dass nun aber wirklich Schließungszeit sei - es wäre noch ein langer Abend geworden. So war’s kurzweilig und eindrücklich.

Der Brennpunkt ist immer noch in mir.